OFFENER BRIEF VON KÜNSTLER/INNEN UND KULTURARBEITER/INNEN

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11. April 2019

* Selbstausdruck ist Menschenrecht *
* Internetzensur schafft keine fairen Einkommen *

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
Sehr geehrte Frau Justizministerin Barley,
Sehr geehrte Frau Landwirtschaftsministerin Klöckner, 
Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung,

Wir als Künstler/innen und Kulturarbeiter/innen appellieren an Sie als unsere Vertreter/innen im EU Rat:

Die neue Urheberrechtsrichtlinie ist nicht in unserem Interesse. Uns werden keine signifikanten Einkünfte durch diese entstehen. Vielmehr wird sie unsere Möglichkeiten, neue künstlerische und kulturelle Werke zu erstellen und einer globalen Öffentlichkeit zuzuführen, erheblich einschränken.

Wir rufen Sie dazu auf, sich der Verantwortung zu stellen, Sorge für ein Internet zu tragen, das frei von Zensur ist und den Bedürfnissen von Künstler/innen und Kulturschaffenden angemessen: Stimmen Sie gegen die Urheberrechtsrichtlinie. Artikel 15 und 17 (ehem. 11 und 13) widersprechen grundlegend unseren Interessen.

Derzeit zirkulieren offene Briefe, die behaupten, die Richtlinie würde durch Stärkung der Interessen von Rechteinhaber/innen gegenüber kommerziellen Plattformen ein „freies“ Internet ermöglichen und „fairere“ Formen der Partizipation und Vergütung fördern. Dies ist hochgradig unrealistisch

Wozu die Richtlinie nicht führen wird:

  • höhere Einkommen für Künstler/innen
  • Garantie der Nichtreproduzierbarkeit des eigenen Werks
  • Schutz vor Ideendiebstahl
  • Schutz vor Piraterie
  • Verlust der Monopolstellung derzeit marktbeherrschender Social Media Konzerne

Was sie stattdessen begünstigen wird:

  • Zensur im Internet
  • Eindämmung des kreativen Austausches
  • Abgabe der gerichtlichen Hoheit an private Entscheidungsträger
  • Fehlentscheidungen durch Algorithmen
  • Verunmöglichung von fairen, da nicht offenen und individuellen Verfahren
  • Ermöglichung von Machtmissbrauch durch nicht-öffentliche Entscheidungsprozesse
  • Missbräuchliche Auslegung zu eigenen Gunsten seitens der zur Filterung verpflichteten Plattformen.
  • Schwer kalkulierbare Folgeerscheinungen wie diejenige, dass es in einem „Regime von Uploadfiltern“ wahrscheinlich ist, dass selbst urheberrechtlich unproblematische Werke von weiteren Ausschlusskriterien wie z.B. dem Verdacht auf terroristische Inhalte betroffen sind
  • Verunsicherung und Selbstzensur statt Motivation zu Kreativität und Selbstausdruck

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass wir sehr kritisch demgegenüber sind, wie Plattformen von der unbezahlten Arbeit unzähliger Mitwirkender profitieren — nicht nur von Künstler/innen. Wir fordern Sie hiermit auf, neue Modelle zu erarbeiten, wie die Einnahmen dieser Wertschöpfungsprozesse gleichmäßiger verteilt werden können, z.B. durch Vergütung über Verwertungsgesellschaften oder eine Kulturflatrate.

Wir appellieren an Sie:
Sagen Sie Nein – Stimmen Sie gegen die Urheberrechtsrichtlinie!

Wir verweisen auf die 120 Unterzeichner/innen des gleichlautenden Briefes an die EU-Parlamentarier/innen
Die Unterzeichner*innen